"A
different view - An ERASMUS Project" - Felix Koltermann |
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Street
Art in Italy – A revolution of signs |
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| „In
diesem Sinne ist die Straße die alternative und
subversive Form aller Massenmedien, denn anders als jene
ist sie nicht objektivistischer Träger von Botschaften
ohne Antwort, nicht auf Distanz wirkendes Übertragungsnetz,
sondern Freiraum des symbolischen Austausches.“ |
Jean
Beaudrillardard |
Editorial |
| Eine
Revolution der Zeicha?en! Daß die Straße ist
die Kommunikationsform der Zukunft ist, damit hatte Jean
Beaudrillard sicherlich Recht. Informationen und Botschaften
sind heute allgegenwärtig, aber sind wir tatsächlich
informiert? Oder gibt es eine Überinformation die
letztlich eine Nichtinformation ist? In der vor allem
die Stimmen der Jugend, der Sozial Schwachen, der alternativen
Lebenskulturen nicht präsent sind? Für all diejenigen
sind die Wände Ausdrucksmittel geworden, egal ob
in Form von Plakaten, Graffiti, Bildern. Öffentliche
Räume werden zurückerobert um Botschaften zu
vermitteln. Und dies leider nicht immer nur im positiven
Sinne. Kämpfe zwischen Links und Rechts sind dort
genauso zu sehen, wie Frauenfeindliches oder Rassistisches. |
| Wenn
wir ein Land tatsächlich verstehen wollen, so müssen
wir uns diesen Botschaften öffnen. Ansonsten fehlt
uns ein Schlüssel zum Verständnis der Lebenswirklichkeiten
anderer Länder sowie des eigenen Landes. Meinen ERASMUS-Aufenthalt
in Norditalien habe ich dazu benutzt mich auf diese Kommunikation
einzulassen. Ich habe während meines Aufenthaltes
versucht einen anderen Blick zu suchen. Ich habe gelesen
und versucht zu verstehen und damit eine Welt entdeckt,
die mir ansonsten verborgen geblieben wa?äre. |
Unhuman
behaviour |
| Wir
leben in einer Dienstleistungsgesellschaft die geprägt
ist, von einer Fixierung auf die Technik. Symbol dafür
ist der Computer. Mit ihm arbeiten wir und verdienen mit
ihm das für unseren Konsum notwendige Geld. Auch
unsere Freizeit verbringen wir wiederum vor dem Computer
oder dem Fernseher. Wir ordnen uns der Technik unter,
die fast alle unsere Lebensbereiche bestimmt. Das Internet
ist sicherlich das Beste Beispiel wie wir uns auf diese
angebliche neue vom Computer getragene Freiheit der Technik
fixieren. Im gleichen Moment aber schon machen wir uns
davon abhängig und glauben kritiklos fast alles. |
Unser
Konsum ist ebenfalls an der Technik ausgerichtet. Alles
was wir an Geräten besitzen muss immer besser werden.
Die Halbwertszeiten elektronischer Geräte nehmen
rapide ab. Daneben machen wir uns in unserem Konsum
zu Sklaven der Marken. Je bekannter die Marke, umso
besser das Produkt so das Credo. Gleichzeitig werden
Marken und geia?stiges Eigentum immer stärker geschützt,
der freie und kostenlose Zugang zu Informationen und
Ideen immer schwerer.
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| Dagegen
formiert sich Widerstand. Unter dem Motto „Copy&Resist“
sind junge Menschen in Italien dazu übergegangen,
sich über die Gesetze hinwegzusetzen, vor allem aus
ökonomischen Gründen. Wer den Markenkonsum nicht
mittragen kann, muss notwendigerweise auf andere Produkte
ausweichen, wer teure Bücher und Programme nicht
bezahlen kann, muss kopieren. Gleichzeitig versuchen sie,
das Bild einer menschlicheren Gesellschaft zu vermitteln
in der Wissen allen zugänglich ist. Es kann auch
auf Basis von Open Source Systemen gearbeitet werden bei
denen nicht alleine der Profit im Vordergrund steht. Aneignung
heißt das Schlagwort des Widerstandes, sei es von
geistigem Eigentum oder materiellen Dingen. |
Traditions
– Between Conservatism and Racism |
| Ein
neues Phänomen macht sich auf dem Arbeitsmarkt breit:
die prek&auma?l;re, d.h. die von unsicheren Arbeitsverhältnissen,
Zeitverträgen und schlechter Bezahlung charakterisierte
Arbeit. Immer mehr Menschen sind davon in Italien betroffen,
von jungen HochschulabsolventInnen bis hin zu FabrikarbeiterInnen
und HochschullehrerInnen. Zeitarbeitsfirmen profitieren
von der Flexibilität des Arbeitsmarktes und lassen
viele Menschen in einer offenen und unsicheren Zukunft.
Es gibt immer weniger materielle Sicherheit, Existenzängste
sind an der Tagesordnung und menschliche Arbeitsverhältnisse
gehören immer mehr der Vergangenheit an. Es wird
gearbeitet um zu überleben. Viele StudentInnen fragen
sich da zu Recht wozu sie denn eigentlich studieren. Frauen
sind dabei dass schwächste Glied in dieser neuen
unsozialen Gesellschaftsordnung. Die Kosten des Sozialsystems
werden nicht mehr kollektiv von der Gemeinschaft getragen
sondern auf den Einzelnen abgewälzt, der damit meist
überfordert ist. |
| Quer
durch die italienische Gesellschaft regt sich der soziale
Widerstand dagegen. Es wird versucht Privatisierungen
zu verhindern, Arbeitsplatzabbau zu stoppen und die sozialen
Sicherungssysteme, die von der politischen und wirtschaftlichen
Elite zum Abschuss freigegeben sind, zu erhalten. Ein
Mensch soll das Recht auf einen festen Arbeitsplatz, auf
a? Arbeitsverträge die ihm Sicherheit geben und eine
angemessene Bezahlung seiner Arbeit haben. Dafür
wird Widerstand geleistet, immer unter dem misstrauischen
Auge des Staates, der dahinter revolutionäres und
umstürzlerisches Gedankengut vermutet. |
Stickers
as Codes |
| Waren
früher Graffitis, Tags und gekritzelte Botschaften
das zentrale Medium derer sich Street Art Künstler
und Menschen auf und in den Straßen bedienten, so
kommen heute immer mehr Plakate und Aufkleber dazu. Dies
hat vor allem mit dem Kreuzzug gegen Graffiti im öffentlichen
Raum zu tun, der in vielen europäischen Großstädten
energisch geführt wird. So wurde es immer schwieriger
im Freien zu malen. Vorgefertigte Plakate und Aufkleber
an den Wänden haben den entscheidenden Vorteil dass
es wesentlich schneller geht sie anzubringen und man das
künstlerische Produkt und die Botschaft in Ruhe zu
Hause vorbereiten kann. Mittlerweile sind auch sehr komplizierte
künstlerische Produkte wild an den Wänden plakatiert
zu finden. Diese Plakate und Aufkleber transportieren
wiederum einen eigenen Code, der nicht f&ua?uml;r jedermann
lesbar ist. |
Illusions
and dreams |
| Wovon
träumen die Menschen? Wie stellen die Menschen sich
die ideale Welt vor? Liebe, Gerechtigkeit und Frieden,
eine gerechte Welt für alle, dies sind nur einige
Schlüsselwörter die sich zu einer unendlichen
Liste ausweiten ließen. Dabei spielen in unserer
heutigen Gesellschaft Träume und Illusionen kaum
eine Rolle mehr. Utopien sind als nicht machbar verschrien,
Realismus ist das Wort der Stunde. |
| In
Italien kämpfen Tausende Tag für Tag für
eine bessere Welt. Die sozialen Bewegungen und Gewerkschaften
gehören zu den stärksten in Europa. Sich dem
Mainstream zu widersetzen, Alternativen zu denken und
auch zu leben ist keinesfalls verpönt. In Dutzenden
Städten leben Jugendliche in den Centri Sociali –
Autonomen Selbstverwalteten Jugendzentren - ihren Widerstand
aus und versuchen sich dem grassierenden Individualismus
und der Entsolidarisierung die umgeht zu widersetzen. |
| Neue
Fragen sind zu stellen, Antworten zu finden. Wie wichtig
ist die Arbeit in meinem Leben? Was geschieht mit dem
Geld was ich verdiene? Welche Auswirkung hat mein Leben
auf das der Menschen in den anderen Teilen der Erde? Wie
viel Zeit habe ich zum Leben, wie viel davon möchte
und will ich arbeiten? Wie stelle ich mir ein Miteinander
vor? Wie könnten Lösungen für die Probleme
unserer Gesellschaften aussehen? |
Abschluss |
| Die
Aufforderung der vielen nachdenklichen und kämpferischen
Graffiti ist klar. Es gibt viel zu tun. Viele Ketten die
uns in unserer freien Entfaltung behindern sind zu zerreißen.
Wir müssen neue Wege gehen, von denen wir noch nicht
wissen wohin sie führen werden. Die sozialen Bewegungen
in Italien gehen uns als Beispiel voran, die vielen Tausend
in Projekten organisierten Jugendlichen und jungen Menschen
leben es uns vor: Etwas kann sich ändern auf dieser
Welt wenn wir alle dies wollen und daran mitarbeiten.
Ins Ausland gehen, die eigene Heimat verlassen, neue Dinge
sehen und davoa?n lernen ist ein wichtiger Teil davon. |
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Exkurse |
Who? |
| Vor
allem Jugendliche, Studenten und Menschen aus den sozialen
Bewegungen kommunizieren über die Wände. Sie
sind auf der Suche nach Räumen um ihre Kritik kundzutun
und finden im öffentlichen Raum den perfekten Ort
dazu. Vom Staat werden sie dafür kriminalisiert weil
sie öffentliches und privates Eigentum beschädigen.
In der massenmedialen Kommunikation ist für sie und
ihre Botschaften kein Platz. Dazu kommt, dass Wände
als Kommunikationsmittel billig sind. Plakate, Aufkleber
oder Schablonen sind einfach gemacht und leicht tausendfach
reproduzierbar. Damit stehen sie für eine Demokratisierung
der Information. |
Stencils
- Pochoirs |
| Sie
sind die einfachste und schnellste Technik. Schablonen
zu Hause gefertigt, draußen in Sekunden auf die
Wand gehalten in einer oder zwei Farben drübergesprüht
und schon sind die Zeichen an der Wand. Klar und deutlich
in ihrer Aussage funktionieren sie wie Logos, sind plakativ
oder eher beschreibend. Symbole, Charakters, Logos, Worte.
Kurz, knapp und prägnant müssen sie sein um
vom Betrachter schnell decodiert zu werden, oder Botschaften
innerhalb der Szene zu übermitteln. |
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contact
: Felix Koltermann - adifferentview at gmx.net |
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