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"Streetart in Sachsen - Freigeist vs. Freistaat " von J.Besser - link hier

"Streetart in Dresden " von J.Besser - link hier

"Streetart und Kapitalismuskritik: Das Beispiel Splasher" - von H.C.Psaar - link hier

"A different view - An ERASMUS Project" - von F.Koltermann - link hier

Street Art zwischen Rekuperation und subversivem Potential - von H.C.Psaar - link hier
 
 
 
"A different view - An ERASMUS Project" - Felix Koltermann
 
Street Art in Italy – A revolution of signs
 
„In diesem Sinne ist die Straße die alternative und subversive Form aller Massenmedien, denn anders als jene ist sie nicht objektivistischer Träger von Botschaften ohne Antwort, nicht auf Distanz wirkendes Übertragungsnetz, sondern Freiraum des symbolischen Austausches.“
Jean Beaudrillardard
Editorial
Eine Revolution der Zeicha?en! Daß die Straße ist die Kommunikationsform der Zukunft ist, damit hatte Jean Beaudrillard sicherlich Recht. Informationen und Botschaften sind heute allgegenwärtig, aber sind wir tatsächlich informiert? Oder gibt es eine Überinformation die letztlich eine Nichtinformation ist? In der vor allem die Stimmen der Jugend, der Sozial Schwachen, der alternativen Lebenskulturen nicht präsent sind? Für all diejenigen sind die Wände Ausdrucksmittel geworden, egal ob in Form von Plakaten, Graffiti, Bildern. Öffentliche Räume werden zurückerobert um Botschaften zu vermitteln. Und dies leider nicht immer nur im positiven Sinne. Kämpfe zwischen Links und Rechts sind dort genauso zu sehen, wie Frauenfeindliches oder Rassistisches.
Wenn wir ein Land tatsächlich verstehen wollen, so müssen wir uns diesen Botschaften öffnen. Ansonsten fehlt uns ein Schlüssel zum Verständnis der Lebenswirklichkeiten anderer Länder sowie des eigenen Landes. Meinen ERASMUS-Aufenthalt in Norditalien habe ich dazu benutzt mich auf diese Kommunikation einzulassen. Ich habe während meines Aufenthaltes versucht einen anderen Blick zu suchen. Ich habe gelesen und versucht zu verstehen und damit eine Welt entdeckt, die mir ansonsten verborgen geblieben wa?äre.
Unhuman behaviour
Wir leben in einer Dienstleistungsgesellschaft die geprägt ist, von einer Fixierung auf die Technik. Symbol dafür ist der Computer. Mit ihm arbeiten wir und verdienen mit ihm das für unseren Konsum notwendige Geld. Auch unsere Freizeit verbringen wir wiederum vor dem Computer oder dem Fernseher. Wir ordnen uns der Technik unter, die fast alle unsere Lebensbereiche bestimmt. Das Internet ist sicherlich das Beste Beispiel wie wir uns auf diese angebliche neue vom Computer getragene Freiheit der Technik fixieren. Im gleichen Moment aber schon machen wir uns davon abhängig und glauben kritiklos fast alles.

Unser Konsum ist ebenfalls an der Technik ausgerichtet. Alles was wir an Geräten besitzen muss immer besser werden. Die Halbwertszeiten elektronischer Geräte nehmen rapide ab. Daneben machen wir uns in unserem Konsum zu Sklaven der Marken. Je bekannter die Marke, umso besser das Produkt so das Credo. Gleichzeitig werden Marken und geia?stiges Eigentum immer stärker geschützt, der freie und kostenlose Zugang zu Informationen und Ideen immer schwerer.

Dagegen formiert sich Widerstand. Unter dem Motto „Copy&Resist“ sind junge Menschen in Italien dazu übergegangen, sich über die Gesetze hinwegzusetzen, vor allem aus ökonomischen Gründen. Wer den Markenkonsum nicht mittragen kann, muss notwendigerweise auf andere Produkte ausweichen, wer teure Bücher und Programme nicht bezahlen kann, muss kopieren. Gleichzeitig versuchen sie, das Bild einer menschlicheren Gesellschaft zu vermitteln in der Wissen allen zugänglich ist. Es kann auch auf Basis von Open Source Systemen gearbeitet werden bei denen nicht alleine der Profit im Vordergrund steht. Aneignung heißt das Schlagwort des Widerstandes, sei es von geistigem Eigentum oder materiellen Dingen.
Traditions – Between Conservatism and Racism
Ein neues Phänomen macht sich auf dem Arbeitsmarkt breit: die prek&auma?l;re, d.h. die von unsicheren Arbeitsverhältnissen, Zeitverträgen und schlechter Bezahlung charakterisierte Arbeit. Immer mehr Menschen sind davon in Italien betroffen, von jungen HochschulabsolventInnen bis hin zu FabrikarbeiterInnen und HochschullehrerInnen. Zeitarbeitsfirmen profitieren von der Flexibilität des Arbeitsmarktes und lassen viele Menschen in einer offenen und unsicheren Zukunft. Es gibt immer weniger materielle Sicherheit, Existenzängste sind an der Tagesordnung und menschliche Arbeitsverhältnisse gehören immer mehr der Vergangenheit an. Es wird gearbeitet um zu überleben. Viele StudentInnen fragen sich da zu Recht wozu sie denn eigentlich studieren. Frauen sind dabei dass schwächste Glied in dieser neuen unsozialen Gesellschaftsordnung. Die Kosten des Sozialsystems werden nicht mehr kollektiv von der Gemeinschaft getragen sondern auf den Einzelnen abgewälzt, der damit meist überfordert ist.
Quer durch die italienische Gesellschaft regt sich der soziale Widerstand dagegen. Es wird versucht Privatisierungen zu verhindern, Arbeitsplatzabbau zu stoppen und die sozialen Sicherungssysteme, die von der politischen und wirtschaftlichen Elite zum Abschuss freigegeben sind, zu erhalten. Ein Mensch soll das Recht auf einen festen Arbeitsplatz, auf a? Arbeitsverträge die ihm Sicherheit geben und eine angemessene Bezahlung seiner Arbeit haben. Dafür wird Widerstand geleistet, immer unter dem misstrauischen Auge des Staates, der dahinter revolutionäres und umstürzlerisches Gedankengut vermutet.
Stickers as Codes
Waren früher Graffitis, Tags und gekritzelte Botschaften das zentrale Medium derer sich Street Art Künstler und Menschen auf und in den Straßen bedienten, so kommen heute immer mehr Plakate und Aufkleber dazu. Dies hat vor allem mit dem Kreuzzug gegen Graffiti im öffentlichen Raum zu tun, der in vielen europäischen Großstädten energisch geführt wird. So wurde es immer schwieriger im Freien zu malen. Vorgefertigte Plakate und Aufkleber an den Wänden haben den entscheidenden Vorteil dass es wesentlich schneller geht sie anzubringen und man das künstlerische Produkt und die Botschaft in Ruhe zu Hause vorbereiten kann. Mittlerweile sind auch sehr komplizierte künstlerische Produkte wild an den Wänden plakatiert zu finden. Diese Plakate und Aufkleber transportieren wiederum einen eigenen Code, der nicht f&ua?uml;r jedermann lesbar ist.
Illusions and dreams
Wovon träumen die Menschen? Wie stellen die Menschen sich die ideale Welt vor? Liebe, Gerechtigkeit und Frieden, eine gerechte Welt für alle, dies sind nur einige Schlüsselwörter die sich zu einer unendlichen Liste ausweiten ließen. Dabei spielen in unserer heutigen Gesellschaft Träume und Illusionen kaum eine Rolle mehr. Utopien sind als nicht machbar verschrien, Realismus ist das Wort der Stunde.
In Italien kämpfen Tausende Tag für Tag für eine bessere Welt. Die sozialen Bewegungen und Gewerkschaften gehören zu den stärksten in Europa. Sich dem Mainstream zu widersetzen, Alternativen zu denken und auch zu leben ist keinesfalls verpönt. In Dutzenden Städten leben Jugendliche in den Centri Sociali – Autonomen Selbstverwalteten Jugendzentren - ihren Widerstand aus und versuchen sich dem grassierenden Individualismus und der Entsolidarisierung die umgeht zu widersetzen.
Neue Fragen sind zu stellen, Antworten zu finden. Wie wichtig ist die Arbeit in meinem Leben? Was geschieht mit dem Geld was ich verdiene? Welche Auswirkung hat mein Leben auf das der Menschen in den anderen Teilen der Erde? Wie viel Zeit habe ich zum Leben, wie viel davon möchte und will ich arbeiten? Wie stelle ich mir ein Miteinander vor? Wie könnten Lösungen für die Probleme unserer Gesellschaften aussehen?
Abschluss
Die Aufforderung der vielen nachdenklichen und kämpferischen Graffiti ist klar. Es gibt viel zu tun. Viele Ketten die uns in unserer freien Entfaltung behindern sind zu zerreißen. Wir müssen neue Wege gehen, von denen wir noch nicht wissen wohin sie führen werden. Die sozialen Bewegungen in Italien gehen uns als Beispiel voran, die vielen Tausend in Projekten organisierten Jugendlichen und jungen Menschen leben es uns vor: Etwas kann sich ändern auf dieser Welt wenn wir alle dies wollen und daran mitarbeiten. Ins Ausland gehen, die eigene Heimat verlassen, neue Dinge sehen und davoa?n lernen ist ein wichtiger Teil davon.
 
Exkurse
Who?
Vor allem Jugendliche, Studenten und Menschen aus den sozialen Bewegungen kommunizieren über die Wände. Sie sind auf der Suche nach Räumen um ihre Kritik kundzutun und finden im öffentlichen Raum den perfekten Ort dazu. Vom Staat werden sie dafür kriminalisiert weil sie öffentliches und privates Eigentum beschädigen. In der massenmedialen Kommunikation ist für sie und ihre Botschaften kein Platz. Dazu kommt, dass Wände als Kommunikationsmittel billig sind. Plakate, Aufkleber oder Schablonen sind einfach gemacht und leicht tausendfach reproduzierbar. Damit stehen sie für eine Demokratisierung der Information.
Stencils - Pochoirs
Sie sind die einfachste und schnellste Technik. Schablonen zu Hause gefertigt, draußen in Sekunden auf die Wand gehalten in einer oder zwei Farben drübergesprüht und schon sind die Zeichen an der Wand. Klar und deutlich in ihrer Aussage funktionieren sie wie Logos, sind plakativ oder eher beschreibend. Symbole, Charakters, Logos, Worte. Kurz, knapp und prägnant müssen sie sein um vom Betrachter schnell decodiert zu werden, oder Botschaften innerhalb der Szene zu übermitteln.
 
contact : Felix Koltermann - adifferentview at gmx.net
 
 
 
 
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