Neue Zugromantiker – Hobo Kultur und Interrailer

Vortrag von Jens Besser (Dresden)

Hobos reisen durch die unendlichen Weiten Nordamerikas. Befördert von Güterzügen und dem Drang nach gelebter Freiheit. Dabei hinterlassen sie Zeichnungen oder Gedichte auf Güterwaggons. Ursprünglich waren es Wanderarbeiter, die mit den Güterzügen umherfuhren, da sie sich kein Bahnticket für Personenzüge leisten konnten. So entstand eine Kultur auf der Schiene, die auch viele Klassiker von Folk- und Country-Songs inspirierte. Punks, Alkoholiker, Vagabunden, Musiker oder Künstler – die Hobos sind ein Sammelbecken von Aussteigern. Doch so romantisch wie es auch klingen Mag – Hobos kommen immer wieder mit dem Gesetz in unliebsame Berührung. Auch wenn die Hobo Kultur eine Stück nordamerikanischerer Geschichte ist, so ist das bezeichnen von Güterzügen mit Ölkreide oder der Aufenthalt auf Bahngelände strikt verboten und wird von „Bulls“ und Sicherheitsdiensten ernsthaft verfolgt.

Interrailer sind ein europäisches Phänomen. Benannt nach dem Ticket der europäischen Bahnen, dem Interrail Ticket, ist dieses Ticket zum Inbegriff einer Gruppe an Graffitimalern geworden, die es verstehen quer durch Europa zu fahren und überall ihre Farbspuren hinterlassen. Seit dem Ende der 1990er prägt das Interrailticket die europäische Writing-Kultur. Die europäische Szene vernetze sich parallel zum Internet und lebt den interkulturellen Austausch.
Unabhängig vom Weiterentwickeln des “ American Writing“ begann sich in dieser Szene ein großes Interesse an klassischer Bahnromantik zu etablieren. Es wird besonderen Zugmodellen hinterhergereist, es werden unzählige Stunden auf Bahnhöfen und Bahnanlagen verbracht um Bahnatmosphäre auf Fotos und Videos festzuhalten oder man erkundet weltweit Tunnelanlagen von U-Bahnen. Ähnlich wie die nordamerikanischen Hobos bereisen Interrailer einen gesamten Kontinent mit dem Zug. Sie treffen sich an inoffiziellen Orten und übertreten regelmässig Gesetzte. Sie Bemalen das Medium mit dem Sie sich fortbewegen und leben in Zeiten des CO2-Fingerabdrucks eine Utopie – da sie sich mit einem ökologischen, kollektiven Verkehrsmittel auf langen Strecken bewegen, belasten sie nur minimal die Umwelt und leben doch maximale Freiheit aus.

Präsentation zur Finisage am 11.08.2017 – Freitag, 19 Uhr

Datum: 11. August 2017 – 11. August 2017

Leutewitzer Ring 35, 01169 Dresden

Zugang von der Gorbitzer Höhenpromenade

Gefördert von:

gefördert von Landeshauptstadt Dresden - Amt für Kultur und Denkmalschutz